Diabolisch

Heute seh ich mich endlich in der Lage dazu die Dinge niederzuschreiben, die mir hier in den letzten Tagen so widerfahren sind.

Punkt 1. Mein Kind ist nicht unbedingt so wie andere Kinder, dass weiß ich.
Punkt 2. Ich tue mehr als ich kann um die Dinge in erträgliche Bahnen zu lenken, aber es dauert eben seine Zeit.
Punkt 3. Es ist ja soviel einfacher auf jemandem (mir) rumzuhacken, als die eigenen (Lehrer, Mann etc) Verhaltensweisen zu überdenken – hat ja auch nicht viel gebracht (Erziehung Kind)

Um die einzelnen Punkte nun mal ein wenig zu verdeutlichen. Meine Uschn, wie ich sie liebevoll nenne, ist bereits seit ihrem ersten Lebensahr ein auffälliges Kind und bereits seit diesem Zeitpunkt suche ich händeringend nach Hilfe. Da sich an dem auffälligen Verhaltern meiner Maus nur wenig geändert hat könnt ihr davon ausgehen, dass ich diese Hilfe bis heute nicht wirklich erhalten habe.

Ich bin von A nach B, von Pontius zu Pilatus und wieder zurück gefahren, habe Therapeuten, Kliniken, noch mehr Kliniken, Psychiater und selbst das Jugendamt aufgesucht in der Hoffnung, dass irgendjemand dieser so allwissenden Menschen herausfinden möge, was eigentlich genau mit meiner Tochter los ist.

Angefangen von:

Pschologe, eine der letzten Sitzungen (Kind knapp 7 Jahre alt): „Ich glaube ihre Tocher hat mich verarscht!“

Kind im Beisein des Psychologen – Gespräch über Strafaufgaben seitens der Schule: „Ich mach das mit Absicht, ich finds toll wenn ich Strafaufgaben bekomme!“

Tochter nach dem Besuch der ersten Klinik (Kind 7-8 Jahre alt): „Ihr könnt machen was ihr wollt, ihr kriegt eh nicht raus was mit mir los ist!“

Lehrerin Klasse 1+2: „Eigentlich kann man ja Prognosen abgeben wohin sich ein Kind entwickelt. Bei Ihrer Tochter würde ich es nicht wagen…!“ „Ihr Kind bleibt dem Unterricht fern und findet es lustig wenn die halbe Lehrerschaft das Schulgelände nach ihr absucht während sie in einem Busch sitzt und sich kaputt lacht.“

haben wir alles durch was nur so möglich ist.

Zwischenzeitlich haben wir bereits eine Therapie beendet, die nicht wirklich etwas gebracht hat. Die Klinik hatte uns an den Therapeuten zurück verwiesen weil sie selbst zu dem Zeitpunkt keine Kapazitäten hatten für Neuzugänge. Den Psychiater hat mein Kind völlig auflaufen lassen und sämtliche Mitarbeit verweigert, so dass wir diesen Versuch nach einem halben Jahr abgebrochen ahben. Natürlich hagelte es weiterhin Anrufe aus der Schule, doch wenn die dort meine Tochter genauso wenig greifen können, was sollen wir als Eltern da machen?! Eine zeitlang hatte ich dann das Gefühl – Jo, der Knoten meiner Tochter ist geplatzt, es läuft. Die Lehrerin hatte ein Belohnungssystem eingeführt – ein Fisch mit grünen und roten Punkten. Roter Punkt – negatives Verhalten, grüner Punkt positives Verhalten. Nach anfänglichen roten Punkten brachte mein Kind nur grüne Punkte mit nach Hause, war stolz wie Bolle und auch ich habe mich tierisch gefreut… bis ich eines Tages unvermutet die Lehrerin traf und diese mich um ein Gespräch bat. Meine Tochter würde bereits seit einiger Zeit kein Wort mehr mit ihr reden, nur noch dasitzen, keinen Finger rühren und wäre überhaupt nicht zugänglich. Da sie auf diese Art natürlich nicht negativ auffiel, erklärte dies auch die zahlreichen grünen Punkte auf ihrem Fisch…allerdings fiel sie überhaupt nicht mehr auf und eine Einschätzung ihrer Leistung wäre auch nicht möglich, da sie sich ja allem verweigerte.

Also schnappte ich mir mein Kind und fragte sie, warum sie denn auf einmal nicht mit ihrer Lehrerin reden würde: Sie sah mich an und antwortete: „Ich rede nicht mit Fremden.“ Ding – da war es wieder, das Männchen mit dem Hammer welches erneut nur auf seine Chance wartete, zuzuschlagen. Natürlich machten wir ihr klar, dass es wichtig und richtig ist, einer Lehrerin auf ihre Fragen im Unterricht zu antworten – ab da gab es dann wieder die rote und grüne Punkte abwechselnd und irgendwann gab es keine Punkte mehr – die Lehrerin hatte aufgegeben.

Zwischendurch machte sich der Verdacht auf Dyskalkulie und evtl. auch Legastenie breit – also wurde auch das klinisch abgeklärt. Ergebnis ohne Befund – mein Kind hatte kein Bock auf den Mist – so steht es in den Unterlagen. Allerdings geht man davon aus, dass sie durchschnittlich intelligent ist und den Stoff eigentlich bewältigen könnte.

Es gab mehrere solche Situationen und letztendlich waren und sind die Lehrer an der Schule ratlos. Trotz allem gab man meinem Kind die Chance sich in der dritten Klasse zu bewähren. Ein Schuss, der nach hinten losging, also wurde sie auf meinen Wunsch hin in die zweite zurückversetzt. Dem stimmte auch die Schule zu und so dachten alle, uns eingeschlossen, neue Klasse, neue Lehrerin, Stoff bekannt – das wird was….doch ein weiterer Anruf und eine Einladung zu einem Elterngespräch später brachte die Ernüchterung.

Neue Lehrerin Klasse 2 nach Rückstufung bei diesem Gespräch: „Haben Sie schon mal an eine Pflegefamilie gedacht?“

Ihr könnt es Glauben, nach diesem Spruch sind mir sämtliche Gesichtszüge entglitten. Sowohl meine Begleitperson der Tagesgruppe, die mein Kind mittlerweile besucht als auch der Direktor waren etwas baff und versuchten die Situation zu entschärfen, aber so etwas kann man nicht entschärfen. Auf Grund einer Beschwerde meinerseits musste sich die Lehrerin dann bei mir entschuldigen, was sie telefonisch tat. Sie wollte dann wissen, was ich von der Super Nanny halten würde und ob das nicht mal was wäre. HALLO??? Bei dem Gespräch in der Schule kam weiterhin heraus das auch die Rückversetzung nicht den gewünschten Erfolg hatte. Arbeitsverweigerung weiterhin sehr massiv, erneute Versetzungsgefahr, eine Überprüfung auf Sonderpädagogischen Förderbedarf musste eingeleitet werden.

Wie auch immer, durch den enormen Druck haben wir vor einigen Monaten mit der Medikamentengabe begonnen. Und was soll ich sagen – eine Rückfrage bei der Schule ergab – das Kind ist wie ausgewechselt, man kann mit ihr arbeiten, alles wunderbar. Ich dachte yeah, endlich. Etwa zwei Wochen später folgte die Ernüchterung – es fängt wieder an.

Vor drei Tagen folgte der nächste Hammer, ein weiterer Anruf der Lehrerin – meine Tochter ist angeblich schlimmer als vorher. Mittlerweile liegt mir auch der Bericht vor, der sowohl aus einem Bericht der Schule, einem Bericht der ehemaligen Klassenlehrerin als auch dem Berichtdes Förderlehrers besteht.

1. Seitens der Schule ist mein Kind nicht einzuschätzen, lediglich die ersten Tage nach der Rückstufung wären geeignet, um einigermaßen sagen zu können, auf welchem Wissensstand sie ist. Mein Kind mobbt andere Kinder, stiftet zum mobben an (weil eigentlich immer sie diejenige ist, die verdroschen wird etc.) und kann nicht mal im Einzelunterricht mit zwei Lehrkräften dazu überzeugt werden, etwas zu tun.

2. Der Bericht der ersten Lehrerin besagte, dass sich mein Kind zwar durchaus interessiert zeigt, allerdings nicht immer aufmerksam dem Unterricht folgt. Von Zeit zu Zeit verweigert sie die Mitarbeit, kann aber doch motiviert werden.

3. Der Bericht des Förderlehrers besagt, dass mein Kind gewillt ist mitzuarbeiten (mit ihm alleine fanden die Tests statt), aufmerksam und konzentriert Aufgaben zu Ende führt, versteht was von ihr verlangt wird, einige Schwieirgkeiten im Bereich Mathematik und der Rechtschreibung hat, aber an sich als durchschnittliches Kind zu bewerten ist.

Interessanterweise ist noch zu bemerken, dass es seitens der Tagesgruppe keinerlei Auffälligkeiten gibt. Seitens der Schülerhilfe, die meine Maus knapp zwei Jahre besucht hat, gab es auch nie Klagen. Eine Gruppenergo, die die Konzentration und auch das soziale Miteinander, weil Gruppenarbeit, fördern sollte wurde vorzeitig beendet, weil sie nicht mitgearbeitet hat und auch nicht in der Lage war/sein wollte die dort gesteckten Ziele zu erreichen. Mittlerweile erhält sie wieder Einzelergo weil man ihr zerrissenes Inneres heilen möchte. Man möchte sie bestätigen in ihrer Person (endlich mal jemand der es auch so sieht wie ich und nicht nur immerzu sagt und in den Vordergund rückt, was mein Kind nicht kann) und ihr Selbstvertrauen stärken, damit sie an sich glaubt.

Mir als Mutter tut es weh zu sehen – wenn auch nur in schwachen Momenten meiner Tochter, wie sehr ihr die Situation wirklich zu Herzen geht. Die meiste Zeit ist sie ein aufgeschlossenes, freundliches und fröhliches Kind. Andererseits ist sie sehr willensstark und manipulativ und sie liebt Machtspiele. Ich weiß das und bei mir versucht sie es auch nicht in dem Maße wie sie es bei anderen tut, aber solange sie noch Opfer findet macht es natürlich auch Spaß denke ich. Wie sonst kann es erklärbar sein, dass sie mehr oder weniger die Lehrerschaft einer Grundschule in die Knie zwingt und diese aufgeben? Natürlich suche ich die Schuld dafür nicht allein beim Kind. Lehrer sein ist ein harter Job, aber auch eine Berufung und wenn ein Kind nicht mit der Norm schwimmt ist es natürlich einfacher es abzuschieben als sich damit auseinander zu setzen. Natürlich fehlt in den großen und überfüllten Klassen auch oft die Zeit und da mein Kind sehr gut unterscheiden kann zwischen Menschen die sie so akzeptieren wie sie ist, Menschen, die nur so tun als ob und Menschen, die sie nicht mögen, nutzt sie das natürlich auch aus. Wer einmal bei ihr unten durch ist ist durch. Derjenige hat verloren und hat kaum eine Chance jemals wieder Fuß zu fassen. Ich denke, die Lehrerin wird etwas getan haben, was meine Tochter nicht gut heißt oder gut geheißen hat. Ich selbst habe erlebt wie sie vor der Klasse „runtergemacht“ wurde. Denn vor der Klasse war die Lehrerin der Meinung mir erläutern zu müssen, wie sehr mein Kind den Unterricht stört, dass sie sich total verweigert und das so nicht weiter geht. Der Ton war eine Mischung aus Feststellung, Abfälligkeit, Resignation und Genugtuung.

Wie auch immer, meine Entscheidung ist nach diesem Hin und Her gefallen. Fakt ist, mein Kind kann nicht auf der Schule bleiben. Es ist eine sehr kleine Schule, eine erste, eine zweite, eine dritte und zwei vierte Klassen – derzeit. Im nächsten Schuljahr wird es nur eine dritte, eine vierte, eine zweite und vielleicht auch nur eine erste Klasse geben. Ich kann also keinen Klassenwechsel vornehmen lassen, ein Schulwechsel steht an. Je nachdem, ob nun die Förderschule doch bereit ist mein Kind aufzunehmen, aufzufangen, im kleinen Kreis zu unterrichten und sie durch positive Lernerfolge auch zu bestätigen bleiben wir zumindest im Ort und müssen nicht umziehen. Sollte dieser Wechsel nicht möglich sein, dann steht demnächst ein Umzug ins Haus – wir müssen dann aus diesem Einzugsgebiet raus.

Es bleibt spannend – und ich freu mich mal auf das Gespräch am Dienstag in der Schule…ich habe da so einige Fragen und auf deren Beantwortung brenne ich. (und ich habe so das Gefühl, dass mein Einkaufsbetrag von 6,66 € am Dienstag durchaus als Omen gesehen werden kann!)

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