Mutter werden ist nicht schwer…

…Mutter sein dagegen sehr. Man kann beliebige Personen in dieses Sprichwort stecken und es entspricht trotzdem immer der Wahrheit.

Der heutige Anlass meines Blogbeitrages ist trauriger Natur, aber nichts desto trotz, möchte ich euch daran teilhaben lassen. Es ist die Geschichte von Burschi und Junior – die Söhne meines Erpels.

Mein Erpel war lange Zeit mit seiner Ex zusammen und sie haben zwei gemeinsame Kinder. Das dritte Kind, welches sie mitbrachte, hat sehr früh erkannt, dass es sehr klug ist, sich von der eigenen Mutter fern zu halten, wenn man nicht kaputt gehen möchte. Sie hat ihr Leben im Griff und weiß wo sie hin will.

Die beiden Jungs waren und sind leider nicht so schlau und mein Erpel hat laaaange Zeit die Augen und Ohren vor dem verschlossen, was seine Noch-Frau mit den Kindern tat und tut. Psychische Misshandlung trifft es wohl ganz gut.

Ich habe die Kids von Anfang an ins Herz geschlossen. Nach der Trennung zog mein Junior zu seinem Dad, so dass ich ihn als erstes kennenlernen durfte. Ein kleiner Rebell mit einem butterweichen Herzen eroberte mich im Sturm. Schnell vertraute er mir an, dass seine Mutter ihn das letzte Mal in den Arm genommen hatte, als er neun war – mittlerweile war er 16. Überhaupt ließen die Erzählungen des Jungen und Freunden der Familie kein wirklich positives Bild dieser einstigen Familie zu.

Ich gab dem Junior also das, was er meiner Meinung nach immer gebraucht hatte – Liebe. Aber ich führte auch Regeln und Konsequenzen ein, Dinge, die diese Kinder niemals kennen gelernt hatten. So langsam dämmerte auch dem Erpel, was eigentlich alles schief gelaufen war und Schuldgefühle im Übermaß nahmen ihn ein. Aber er begriff auch, dass die Fehler der Vergangenheit nicht wieder gut zu machen sind, man aber die Zukunft der Kinder zumindest noch beeinflussen kann.

Mein Junior kam mit dem Wechsel zu der Familie, die er immer wollte und seiner beschissenen Vergangenheit leider nicht zurecht – er brach aus. Eine Wohngruppe sollte nun richten, was Jahre vorher versäumt worden war, doch einen 16-jährigen beeinflusst man nicht mehr. Neben etlichen Strafdelikten kam, was kommen musste – die Mutter trat auf den Plan. Sie liebe ihr Kind und wenn er will, darf er nach Hause zurück (vorher war er der Grund, weshalb die Trennung vollzogen wurde, denn sie wollte ihn in ein Heim geben. Aber Kindergeld und Unterhalt fehlten natürlich – wenn man nicht arbeiten gehen will, ist das Geld nun einmal recht knapp bemessen)

Das war für meinen Junior natürlich Musik in seinen Ohren – man tausche ein Leben mit Regeln und Konsequenzen – ja die gab es auch da in der Wohngrupe – gegen Freiheit, eine Mutter der das eigene Schicksal egal ist und die sich nicht durchsetzen kann. Junior zog also zur Mutter zurück. Natürlich hätte man auf gerichtlichem Wege das ganze unterbinden können, aber wir wollten ihm glauben, dass er seine Schule endlich beendet und sich eine Zukunft aufbaut.

Naja, das Thema Schule hatte sich innerhalb weniger Wochen erledigt, aber der Alkohol wurde sein bester Freund. Die Mutter tat und tut nichts. Während die Zähne langsam in seinem Mund verfaulen und Bleistifte seine Ohren ziehren,sagt Mutter nur: Er will eh nur einen Platz zum schlafen und was zu essen und sonst seine Freiheiten.

Dann ist da noch Burschi…gerade erst 13 geworden und ein ganz anderer Schlag als sein Bruder. Es hat eine Weile gedauert, bis er mir vertraute – aber ich habe ihm die Zeit gegeben. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der Zärtlichkeiten und Knuddeleinheiten von Anfang an einforderte, war mein Burschi sehr zurückhaltend. Das erste mal taute er auf, als er das dritte Mal bei mir zu Besuch war und es wieder an die Abreise ging. Das Auto verlor Wasser und mein Burschi sprang freudestrahlend aus dem Auto – bis zu dem Moment, wo es hieß, dass es nur Kondenswasser der Klimaanlage war. Ich habe selten ein Kind so in sich zusammen fallen sehen. Da wollte er das erste Mal umarmt werden. Immer häufiger kam ein freudestrahlender Burschi bei mir an und ein unglükliches Kind fuhr wieder weg.

Nach meinem Umzug ins Auenland war ich natürlich für die „Familie“ sehr viel präsenter. Nach anfänglichen Streitereien mit der Kindesmutter, überwand diese jedoch ihren Schweinehund und es gab ein klärendes Gespräch. Ihre größte Sorge schon damals war, dass Burschi sich dazu entscheiden könnte zu uns zu wollen, denn hier hätte er all das, was er vermisst – eine Familie, Wärme, Geborgenheit, vernünftiges Essen. Sie selber kann ja nicht arbeiten gehen, ihre Gesundheit lässt das nicht zu. Das bestätigen auch all die Ärzte. Sie wechselt sie häufiger – meist dann, wenn ein Arzt mehrfach nichts findet oder seine Diagnose vielleicht nicht dramatisch genug ist. Eingeräumt sei, dass es um ihr Augenlicht tatsächlich nicht so gut steht.

Wie auch immer – die Monate gingen ins Land und das Theater fing wieder an. Jedes zweite Wochenende – denn Burschi möchte nicht zu uns. Burschi jedoch sagt, dass das so nicht stimmt, er ist sehr gerne hier – nur kommt seine Mutter immer zu unmöglichen Zeiten – wenn er nämlich seinem Lieblingshobby nachgeht – vor dem PC oder der Konsole sitzen. Sie bemängelt, dass Burschi nach sienen Aufenthalten bei uns nicht mehr ansprechbar sei – er knalle Türen und überhaupt – das ginge so nicht. Sie zwingt ihn nicht dazu, zu uns zu kommen.

Die ehrenwerte Frau Mama nimmt natürlich solche Aussagen für extrem bare Münze – kommt ihr ja sehr gelegen, sofern ihr zwischen den wechselnden Partnerschaften einfällt, dass sie ja noch Kinder hat. Ihre neueste Errungenschaft hat auch nach zwei Wochen wieder Reisaus genommen – ein Umstand, der Madame nun extrem in die Knie zwang. Es schickt sich in dem Zusammenhang natürlich, das an sich schon sehr faule Hinterteil noch mehr hängen zu lassen. Gestank der alltäglich aus der Wohnung dringt, gegessen wurde auch nichts mehr – also ein ideales Leben, welches man den Kindern als Vorbildwirkung vorlebt.
Sie hat dann am Wochenende geschnallt – mein Burschi war sowieso hier – dass es Burschi nicht gut bei ihr geht – sie möchte, dass er bei uns lebt. Sie kann sich nicht um ihn kümmern und weiß auch nicht, ob sie ihn jemals wieder abholt. Weiterhin überträgt sie dem Erpel das Sorgerecht im Rahmen der Scheidung. (hab das auch alles schriftlich – sie ist ja schlau)

Hmm – ok. Nachdem sie am nächsten Tag auch den Burschi davon in Kenntnis setzte – wobei sich ihr Wortlaut ihm gegenüber meiner Kenntnis entzieht – und Sachen hier ablieferte (die auch alle erst mal gewaschen werden mussten, weil der Geruch einer Mischung aus Käsefüßen und Mief gleich kam), überlegten wir, wie wir hier im Auenland erst einmal provisorisch auf engem Raum leben könnten, bis sich eine neue Wohnmöglichkeit ergeben würde. (Ist mit Hund leider nicht so einfach). Die erste Anschaffung im kleinen Auenland erfolgte noch am selben Tag – ein Etagenbett für die Minimaus und den Burschi. Verkaufsoffene Sonntage haben auch was für sich. So wäre im Kinderzimmer, was sich die Kinder mit Einverständnis beider erst einmal teilen müssten, wenigstens etwas Platz. An den Wochenenden tat es auch ein Gästebet – eine dauerhafte Lösung für den längerfristigen Aufenthalt von Burschi war es natürlich nicht. Das Büro wurde zum „Arbeitsplatz“ für Burschi umfunktioniert.

Am Montag dann die Nachricht – sie vermisst ihn, sie holt ihn wieder – aber nicht gleich, sondern erst Samstag. Also haben wir das Jugendamt eingeschaltet, denn dieses Hin und Her muss ein Ende haben. Die Bestimmung des Jugendamtes war, nachdem sie die Geschichte von Burschi durch den Erpel erfuhren glasklar: Der Junge bleibt bei uns bis zu einem Gesprächstermin und dann sieht man weiter. Da auch Burschi unter anderem wenige Tage vorher schriftlich in kindgerechter Art ausgedrückt hat hierbleiben zu wollen, und auch am Tag vorher eingeräumt hat, dass ein Abstand sehr gut wäre, seine Mutter schon immer so weit unten sei und er auch nichts anderes kenne, sahen wir ihrer Ankunft zwar besorgt entgegen, aber wir harrten der Dinge die uns erwarteten.

Sie nahm Burschi mit zu einer Anmeldung für den Konfirmandenunterricht und lieferte ihn zwei Stunden später mit den Worten – er will mit nach Hause – wieder ab. Das Erpelchen war arbeiten, ich habe nun gar keine Handhabe – was also tun?! Ich habe sie gebeten zu warten, sie darüber in Kenntnis gesetzt dass der Erpel auf dem Heimweg sei (den hab ich nämlich angerufen) und er ihr erklären würde, warum sie Burschi nicht mitnehmen könne.

Diese Person ist bauernschlau und sie witterte den Braten, so dass sie gepflegt in einen lauten Tonfall verfiel, der noch jammernder klingt als ihr „normales“ Gewinsel, dass sie sich einen Scheißdreck dafür interessiere, was ich ihr sage. Im ruhigen Ton habe ich ihr erklärt, dass niemand mehr eine Entscheidungsgewalt hätte, denn das Jugendamt hätte nun die Entscheidung übernommen und bis zu einem Gesprächstermin solle Burschi erst einmal zur Ruhe kommen – bei uns.

Na da hatte ich ja was gesagt – Leute, sie ging ab wie eine Rakete, schnappte sich Junior und Burschi und verschwand. Das Erpelchen kam kurze Zeit später und verschwand auch – nämlich zu ihr um den Burschi wieder zurück zu holen. Die Situation war kurz davor zu eskalieren – und mein Erpelchen fuhr zur Polizei. Da jedoch noch kein schriftliches Gerichtsurteil über den Verbleib von Burschi vorliegt, haben diese dort keine Handhabe.

Jeder, einschließlich ihrer eigenen Kinder, die Burschi hier erleben sagen – dieses Kind kennen sie nicht. So war er noch nie. Er lacht, er spielt, er tobt durch den Garten, will kuscheln und schmusen, hilft beim Kochen usw. Alle, die Burschi von klein auf kennen, sehen ihn in seinem Zimmer vor der Konsole oder dem TV hocken. Hier redet er manchmal ununterbrochen – dort schweigt er.

Ich möchte diese Frau nicht schlecht machen, aber ich sehe deutlich, dass sie nicht in der Lage ist, sich um die Kinder zu kümmern. Ein Kind ist bereits an ihr, ihrem lieblosen Verhalten und ihrem Egoismus zerbrochen. Dem zweiten Kind würden wir das gerne ersparen. Es ist schon bedenklich in meinen Augen, wenn ein Kind sich auf Saufpartys mit dem Bruder freut, wenn ein damals noch zwölfjähriger Junge der Schule fern bleibt, weil es doch viel cooler ist, wie Mutter und Bruder den ganzen Tag zu Hause zu sein und dort nichts zu tun. Es ist ebenfalls besorgniserregend wenn ein Kind sagt – ich weiß dass meine Sachen stinken, aber ich rieche es schon nicht mehr…

Dies nur ein kleiner Einblick – diese Litanei ließe sich endlos fortsetzen…

Fakt ist, wir werden versuchen wenigstens ein Kind zu „retten“ und ihm eine normale Kindheit zu ermöglichen – gelingt uns das nicht, werden wir auch daraus Konsequenzen ziehen.

Ich halte euch auf dem Laufenden…

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