Johnny

Jeder der mich kennt weiß, dass ich ein absoluter Katzenfreund bin. Natürlich mag ich auch andere Tiere, solange sie vier Beine und Fell haben, aber Katzen haben es mir besonders angetan. Ich hab schon einige dieser Tiere gehabt und jedes hatte und hat einen ganz besonderen Stellenwert in meinem Leben und in meinem Herzen.

Heute möchte ich euch von Johnny erzählen. Er fand im Januar zu mir, genauer gesagt am 06.01.2016. Es war ein eisiger Tag, Blitzeis hatte die Stadt in eine einzige Eisfläche verwandelt. Ich kam von der Arbeit heim und wurde bereits im Treppenhaus erwartet. Man hatte einem streunenden Katzentier Zutritt gewährt, welches draußen anzufrieren drohte und auf mich gewartet, da ich ja hier im Haus als Katzenmama bekannt bin. Als ich das Tierchen sah, schnurrte es direkt, kam auf mich zugelaufen und beschmuste mich aufs Innigste. Ich holte dem Tier erst mal Futter und Wasser und ein Körbchen in den Keller. Dort war es wärmer. Ich dachte, es wäre ein trächtiges Weibchen, so füllig war dieses Tier. Voller Dankbarkeit fraß es, rollte sich im Körbchen ein und schlief. Ein Behelfsklo stellte ich ebenfalls auf und ging stündlich nach unten um zu schauen, ob alles ok ist.
Am nächsten Tag ging es erst mal zum TA. Kein Chip, kein Tattoo, nichts. Immerhin fanden wir raus, dass mein „trächtiges Weibchen“ ein kastriertes Katerchen war. Also fuhren wir nach einem Check wieder nach Hause. Er wollte nicht raus, was auch gut war, das Wetter hatte nicht wirklich eine positive Wandlung vollzogen. Abends sind wir nochmal zum TA gefahren. Ich habe den hübschen Kerl Johnny getauft. Er bekam eine Erstversorgung mit einer Floh-und Wurmkur und er durfte mit in meine Wohnung kommen. Das Badezimmer sollte mein Quarantäne-Platz sein. Dankbar kuschelte sich Johnny vor die Heizung und schlief ein. Die Quarantäne hob er am nächsten Morgen auf – und meine Katzen reagierten sehr entspannt. Johnny schlief in seiner Transportbox, wartete, bis er sein Futter bekam, verhielt sich sehr zurückhalten und wie ein kleiner Prinz meinen Damen gegenüber. Ich habe selten einen so vornehmen Kater erlebt. Nach vier Tagen wollte er wieder raus. Das Wetter hatte sich gebessert. Schweren Herzens ließ ich ihn ziehen…und er kam wieder. Fundzettel, Anrufe in Tierheimen und Fragen in der Nachbarschaft blieben ergebnislos – also adoptierte ich Johnny bzw er adoptierte uns.
Die erste Sorge machten mir seine kaputten Pfötchen. Richtige Löcher hatte er in den Ballen. Eine Blutuntersuchung auf oft damit einhergehende tödliche Katzenkrankheiten verlief ohne Befund. Allerdings hatte er abgenommen. Im Januar wog er 5,3kg, im Februar 5kg. Seine Wampe war weg, aber wir wollten es beobachten. Es wusste ja niemand ob es ein Hungerbauch war und ob nun die regelmäßigen Mahlzeiten dazu beitrugen, dass er sein Gewicht einpendelte. Sein Geruch war mir aufgefallen – wie nach Gülle – aber beim TA roch man nichts dergleichen und wir wussten ja auch nicht, wo er sich so rumtrieb. Die Pfoten behandelte ich mit Pfötchensalbe und es wurde gut.

Johnny ging mit mir bei Fuß spazieren, wartete morgens vor der Tür, wenn er die Nacht draußen verbringen wollte, schnurrte sich in mein Herz, machte Männchen wenn er gestreichelt werden wollte und legte seinen Kopf dann in meine Hand.

Vor drei Wochen waren wir wieder beim TA, weil der süße Herr keine Stimme mehr hatte und mir aufgefallen war, dass er irgendwie dünn wirkte. Die nächste Blutuntersuchung folgte und der befürchtete Verdacht bewies sich…Johnny hatte CNI – chronische Niereninsuffizienz. Eine Welt brach zusammen. Aber Johnny war gut drauf, wollte leben, also kämpften wir. Er bekam Medikamente, ich habe mich belesen und eine Therapie begonnen, die bei den meisten Katzen sehr gute Erfolge erzielt. Es bestand eine große Chance dass die Werte wieder fallen.

Johnny zog mit. Ich versprach ihm, dass ich ihm helfe, ihn aber weder zwangsernähren würde noch einsperren würde. Er nahm die Medis freiwillig, fraß und durfte raus. Natürlich ging jetzt die Angst noch mehr mit, dass er einen Schub bekommen könnte, sich da draußen zurückziehen würde, einsam und qualvoll sterben würde. Doch Johnny kehrte heim…Tag für Tag. Er fraß weniger, schlief viel, nahm seine Medis, ging mit mir spazieren. Manchmal trug ich ihn ein Stück. Er wurde langsamer, aber war dennoch lebenslustig – das da draußen war seine Welt. Ich hatte Hoffnung als er wieder anfing besser zu fressen, nur um an nächsten Tag wieder weinend vor ihm zu sitzen, weil er das Fressen verweigerte, in den Napf blickte um dann den Kopf beiseite zu drehen. Ich spürte die Knochen wenn ich ihn streichelte. Erneuter TA Besuch. 200g zugenommen. Er wog 4,5kg bei der Blutabnahme, 4,7kg beim Zwischencheck. Subkutane Flüssigkeitsgabe, aber er wirkte gut. Eine knappe Woche später wieder ein Einbruch. 4,1kg. Ich war geschockt. Er bekam nochmal ein Langzeitmittel gespritzt. Wieder nach Hause. Johnny schnurrte, Johnny war gut drauf, Johnny war wie immer – nur dünn. Er wollte wieder fressen, er wollte raus – ich ließ ihn gehen. Er kam und ging und kam und ging bis zum Sonntag den 22.05.16. Er kam als ich ihn rief. Er war müde. Eine der Begleiterscheinungen der CNI und Anämie, die dazu kam. Er ging in den Kleiderschrank, blieb dort – und lehnte nach den zwei Wochen die Medis erstmals ab. Er sah mich an und ich wusste es, obwohl er doch noch so jung war. Ich redete mir ein, dass es wieder gut wird, er müsse nur ausruhen. Am nächsten Morgen behielt er nicht mal mehr das Wasser welches er getrunken hatte, bei sich, versteckte sich unterm Bett…er wollte nicht mehr.

Wir fuhren wieder zum TA. 3,9kg. Selbst die TÄ musste weinen, als sie ihn sah…ich war schon in Tränen ausgebrochen als ich seine Box auf den Tisch stellte. Johnny durfte in meinen Armen einschlafen…

Das ist jetzt eine Woche her und er fehlt mir nach wie vor so unfassbar doll. Die CNI ist eine heimtückische Erkrankung, die auch erst sehr spät festgestellt wird/werden kann. Johnny befand sich bereits im Endstadium, vermutlich schon als er sich diesen Platz hier aussuchte – daher auch der Geruch.

Bis zum Schluss verhielt er sich wie ein Bilderbuchkater, der einfach nur froh war, angekommen zu sein. Ich hätte natürlich noch versuchen können ihn in eine Klinik zu bringen, mit Infusionen und anderen Mitteln die Nieren durchzuspülen, seine Anämie in den Griff zu kriegen, doch ich habe mich dagegen entschieden. Johnny hätte sein Leben so wie er es kannte nicht weiterleben können. Die CNI ist tödlich, ich hätte also nur Leiden verlängert, aber wäre das Lebensqualität? Ich habe ihm versprochen, dass er ein katzenwürdiges Leben bei mir führen darf und das durfte er. Er hingegen hat mir meinen letzten Wunsch erfüllt. Ich hatte ihn gebeten heim zu kommen wenn es nicht mehr geht und das hat er getan. Wir hatten nur knapp fünf Monate miteinander und er fehlt mir sehr. Ich vermisse sein Mauzen, die „Gespräche“ während unserer Spaziergänge, die Kuscheleinheiten. 😢

Wir sehen uns auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke.

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5 Gedanken zu “Johnny”

    1. Musste auch grad wieder heulen als ich meinen Beitrag gelesen hab…ja, ich habe viele Bilder und auch ein Video von einem unserer Spaziergänge. 😻 Er war wirklich einmalig in seiner Art. Soetwas erlebt man sehr selten, gerade bei Katzen.

        1. Glaub ich Dir 😔 aber hoffen wir mal, dass Du noch lange Freude an dem Fellpopo hast und sie da schön weiter rumstromert 😊

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