Gefühlte Fettnäpfchen und Verluste

Ich bin unter Umständen talentiert, aber so richtig. Vor allem dann, wenn es um Situationen geht, die sich für mich wie ein Fettnäpfchen anfühlen, vielleicht auch einfach in Ermangelung an Worten, Unwissenheit, Überforderung oder ähnlichem auf der breiten Palette der alltäglichen oder auch weniger alltäglichen  Geschehnisse im Leben.

So gefühlt auch heute. Eine liebe und sehr geschätze Kollegin hat Geburtstag. Also hab ich natürlich ein schönes Bild an ihre Pinnwand gepostet und ihr gratuliert. Ein Danke und ein trauriger Smiley kam zurück und ich fragte  nach, warum ein trauriger Smiley.

Naja, die Aufklärung erfolgte recht zeitnah durch eine weitere Kollegin die mich anschrieb und fragte, ob ich nicht wüsste was passiert sei…ähm…nö. Also ich habe zwar am Rande bemerkt, dass jemand verstorben ist, aber die Zusammenhänge waren mir fremd und ich habe da auch nicht weiter nachgehakt. Auch wenn ich sie mag, aber so neugieriges Nachbohren ist nicht meins und da die erwähnte verstorbene Person mir auch so gar nichts sagte, habe ich mich auch an den Beileidsbekundungen nicht beteiligt. Ich finds, von meinem Bewertungssystem her schwer, eine ehrliche Beileidsbekundung auszusprechen, wenn ich keinen Bezug zu der verstorbenen Person hab.

Ja, und dann kam heute die traurige Wahrheit ans Licht. Ihr Stiefsohn ist tödlich verunglückt…und bämm, da war der Trigger den ich „brauchte“. Verlust eines Kindes…es riss mir die Füße weg. Ich fühlte mich fassungslos, hilflos, mir liefen die Tränen  und ich spürte, wie es mich innerlich wieder zerriss.  (Ich schreibe das betont in der Vergangenheit, denn ich habe mittlerweile wieder eine emotionale Distanz dazu geschaffen. Es überflutet mich nicht mehr. Ich bin traurig, aber ich weiß, dass es nicht meine Trauer ist. Sie gehört mir nicht, ich fühle sie nur und das abgeschwächt, weil ich Abstand gewonnen habe…)

Ich habe nie ein Kind verloren, aber ich kenne Verluste. Ich weiß auch wie sich die lähmende Angst anfühlt, wenn man nicht weiß, ob das eigene Kind überlebt oder wenn die Gefahr droht es zu verlieren. Das waren die Gefühle, die mich überflutet haben…meine eigenen durchlebten Emotionen, abgespalten irgendwann um zu überleben und zu funktionieren und diese Info hat die Schleusen geöffnet und es mich wieder erleben lassen.

Ich bin froh, wenn ich es, wie in diesem Fall, schnell schaffe, die Pforten wieder zu schließen, mich im Hier und Jetzt zu verankern und die Kontrolle wieder über mich zu gewinnen. Es ist Vergangenheit, ich habe es überlebt, mein Kind lebt und es ist alles gut, aber es ist nicht immer so leicht, die Gefühle einzudämmen.

Und jetzt? Ich habe sie virtuell in den Arm genommen. Ich glaube, sie kennt mich gut genug um zu wissen, dass ich mehr nicht kann und dass es gleichzeitig sehr viel ist, was ich in dem Moment gebe. Ihr Schmerz ist in mir, ihre Trauer ist in mir…ich teile sie. Es fällt mir noch schwer zu lächeln, Freude zuzulassen, aber ich weiß zumindest, dass die Trauer nicht mein Gefühl und der Verlust nicht mein Verlust ist.

Mir graut ein wenig vor Montag, dann ist mein Urlaub vorbei und ich muss arbeiten. Ob ich sie dort sehe, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob sie überhaupt aktuell arbeitet, aber ich weiß, dass andere ja auch wissen, was sie durchmacht, und dass es sie mitnimmt und ich habe Angst, dass ich diese Emotionen nicht abblocken kann. In solchen Situationen hasse ich meine ungefilterte Wahrnehmung, meine Fähigkeit andere zu fühlen… 😦

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7 Gedanken zu “Gefühlte Fettnäpfchen und Verluste”

  1. Ich finde jetzt gar nicht, dass du in ein Fettnäpfchen getreten bist.
    Natürlich kann ich nicht wissen, wie gut ihr euch kennt, aber sooooo gut kann es ja nicht sein.
    Ich tippe mal auf eine flüchtige Arbeitsbekanntschaft der man auf Facebook folgt?

    1. Also zumindest haben wir bereits zusammen gefeiert und dadurch habe ich einige private Sachen erfahren…Natürlich sind wir jetzt keine dicken Freunde, aber es tat mir trotzdem echt leid 😔

  2. Sehe noch immer kein Fettnäpfchen.
    Man kann nicht jederzeit immer über alles informiert sein.
    Du hast es doch lieb gemeint.
    Glaube auch nicht, dass sie es dir übel nimmt, wenn ihr später mal drüber sprecht.

    1. Nein, Du hast Recht. Ich habe meinen Beitrag entsprechend angepasst bzw umformuliert. Sowas mach ich doch gern an einem Samstag morgen um 6:18 Uhr :mrgreen:

      *ausm Bett gesendet*

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