Tierschutzmenschen

…hmm…heute war ich den ersten Tag in diesem Jahr wieder arbeiten. Es hat Spaß gemacht und alles war soweit auch in Ordnung. Ich war schon fast weg als mir einfiel, dass ich zum einen meine Tasche im Spint vergessen hatte und zum anderen spontan beschloss, noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Also auf dem Absatz umgedreht und wieder zurück in den den Markt gestürmt…also fast. Ich habe es nämlich nicht geschafft, weil sich ein sympathisch aussehender, junger Mann genau in meine Laufrichtung schob und sich auch meinen Ausweichversuchen anpasste, während ich mich ihm näherte. Hmpf. Ich sah den Stand schon aus den Augenwinkeln und meist komme ich mit Missachtung bzw. einem energischen Kopfschütteln schon um die „Anmachsprüche“ drumherum, aber dieser Kerl war hartnäckig.

Während ich also, innerlich seufzend, tief Luft holte, legte der junge Mann bereits los. „Ach wie sympathisch und bla und ich hab bestimmt auch Haustiere und ja tatsächlich was für welche denn und Sabbel Sabbel Sabbel…können die. Müssen die ja auch können, sie wollen schließlich was. Währenddessen erwähnte er immer wieder die wichtige Arbeit des Tierschutzes und blätterte in seiner Mappe, in der man natürlich sehr viel Tierelend sah. Massentierhaltung, die Hundemafia und Tierversuche durch Kosmetikfirmen.

Ok, ich wusste nun also schon mal, wofür dieser Verein sich so einsetzt. Ich schwieg mittlerweile und lies den jungen Mann erst mal reden. Er hatte eine so nette Stimme…und offensichtlich machte ihm das Reden ja auch Spaß. Also sah er seine Stunde gekommen und zog das Anmeldeformular – von ihm nett umschrieben als Beleg, dass ich dem Tierschutz meine Stimme gebe – hervor. Ein kurzer Blick und ich sah schon – 24 Monate? Ein leichtes Lächeln umspielte mittlerweile meine Lippen, während er mir die monatlichen „kleinen“ Beträge versuchte schmackhaft zu machen, bei denen man ja auch noch wählen könne. Beginnend bei 6 euro monatlich, Tendenz nach oben natürlich offen.

Also öffnete ich den Mund für meinen ersten Satz: „Geben Sie mir das mit und ich werde mir die Sache in Ruhe durch den Kopf gehen lassen!“ Kurze Schnappatmung auf der anderen Seite…“Nee, das dürfen sie nicht, er müsse jetzt hier direkt vor Ort meine Daten aufnehmen um sich meine Stimme zu sichern…“

Die Nachtigall trapste schon lauter in meinem Kopf…“Ok, dann sag ich es Ihnen anders…ich find es gut was sie machen, aber ich möchte Ihnen kein Geld spenden!“ Ist ja erst mal deutlich, aber diese Menschen wären ja schlecht geschult, wenn sie ein Nein einfach so gelten lassen würden…Also setzte er zum – vermutlich aus seiner Sicht, weil ich ja ne Frau bin, cleveren Schachzug an: „Naja, aber tun Ihnen 1,50 € pro Woche weh? Wenn Sie die Stadt hoch und runter schlendern, geben Sie vermutlich viel mehr aus!“…Doof, dass ich nicht die typische Frau bin und weder wöchentlich durch die Stadt schlendere, noch irgendwo Kaffee trinke und mein Geld in Handtaschen, Schuhe und Nagelstudios, Solarien etc. investiere.

Der arme Kerl, er tat mir mittlerweile schon etwas leid…denn nachdem ich ihm diese Illusion nahm, fiel ihm erst mal auf die Schnelle kein Argument ein, mit welchem er mich rumkriegen würde. Er bot mir in seiner Verzweiflung sogar an, einmal im Monat bei mir Fenster zu putzen…Wollte ich allerdings auch nicht. Ich bin aber auch echt zickig und wählerisch manchmal.

Wie dem auch sei.
Punkt 1. Grundsätzlich fülle ich dergleichen schon mal nicht aus und lass mich auf finanzielle Ausgaben festnageln, schon gar nicht auf ein Abo (Handyvertrag mal ausgenommen).
Punkt zwei. Tierschutz in allen Ehren, es ist gut und es ist wichtig, aber ich denke, die setzen da auch irgendwo falsch an. Man muss den Menschen an sich sensibilisieren auf das Thema und nicht nur versuchen ihm das Geld aus der Tasche zu holen. Tierschutz beginnt meiner Meinung nach im Kopf.

Ich boykottiere zum Beispiel den Zirkus. Würden alle Menschen einen Zirkus, der Tiere im Programm hat boykottieren, wäre das Thema ganz schnell durch. Bei Tierparks ist es schwierig. Auf der einen Seite leben die Tiere dort natürlich auch nicht artgerecht. Eingesperrt in häufig viel zu kleinen Anlagen…aber zum einen denkt man dort ja auch immer mehr um und schafft Raum, sofern es möglich ist und zum anderen gelingt den Zoos häufig das, was in der freien Natur, gerade bei den bedrohten Tierarten wirklich von Mutter Natur abhängt – gezeugte Babys überleben meist. Nichts desto trotz besuche ich vielleicht 1-2x im Jahr unseren Tierpark, wenn überhaupt.

Der Mensch an sich muss begreifen, dass Tiere Lebewesen sind. Sie fühlen. Es ist alles andere als richtig Tiere zu züchten und zu mästen, an ihnen Versuche durchzuführen etc. Aber es hat auch jede Medaille zwei Seiten. Fleisch stünde nicht mehr jedem zur Verfügung und schon gar nicht mehr günstig. Das wiederum würde, sofern der Verzicht durch Zwang herbei geführt werden würde, Unmut, Missgunst und Neid nur schüren auf die, denen es „besser“ geht. Es würde schneller zu einem Krieg kommen und die Menschheit würde sich vermutlich schneller ausrotten. Das wiederum wäre allerdings gut, denn dann könnte die Natur sich ihr Terrain zurück erobern und die Tierpopulation könnte sich wieder stabilisieren. Natürlich gewinnt auch im Tierreich der Stärkere…aber der Stärkere nimmt nur soviel wie er braucht und hortet nicht. Außerdem bleibt meist auch etwas übrig für die Schwächeren. Egoismus nur zum Selbsterhalt, aber nicht um zu dominieren. Ich frage mich immer öfter, ob die Tiere nicht doch um einiges schlauer sind als wir Menschen.

Ich denke außerdem, dass sich der Mensch an sich mit seinem ganzen Fortschritt zum Sklaven von all der Technik gemacht hat und eigentlich nicht überlebensfähig ist, wenn alles wegbrechen würde. Die Urvölker, ja, die würden bleiben…die, auf die weitestgehend herabgeblickt wird haben im Inneren verstanden.

Achja…und der Tierschutzmensch? Ich hab ihn stehen lassen. Ich muss nicht tausendmal Nein sagen…eins sollte reichen. Hat auch was mit Akzeptanz der Grenzen anderer zu tun, sah er aber offensichtlich nicht so. Ich war auch nicht mehr einkaufen und hab einfach den Personalausgang benutzt um nach Hause zu kommen…

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6 Gedanken zu “Tierschutzmenschen”

  1. Muah, ich finde es soooo lästig, wenn man auf diese Weise abgefangen/belästigt wird.
    Ich reagiere da meist auch ziemlich harsch.

    Ich bin da auch ganz deiner Meinung. Mir tut unfassbar leid, was sich der Mensch im Umgang mit den Tieren herausnimmt, aber würde der Mensch sein Denken und Handeln ändern, bräuchte es keinen Tierschutz. Ausserdem bin ich notorisch Misstrauisch und diesen „Abfängern“ gegenüber schon dreimal.

    1. Er stand heute an meiner Kasse…und hat mich wieder erkannt. Hat direkt die nächste Abfuhr kassiert. War allerdings auch so freundlich ihm einige meiner obigen Gedankengänge mitzuteilen. Er hat mir beigepflichtet. Denke, der quatscht mich nicht mehr an 👍

        1. Ich glaube, der war nur daran interessiert eine Unterschrift zu kriegen und somit Geld für den Verein zu erwirtschaften. 😊
          Glücklicherweise standen die da nur zwei Tage und sind wieder verschwunden.
          Der war auch nicht mein Typ, sonst hätte er ja wenigstens Fenster putzen dürfen 😋

            1. Wieso schreibst Du Dich auf einmal mit nur einem p???

              Also nur weil ich die Aussicht genießen möchte, bin ich doch kein Macho-Weib *wechlach*… (Dieses Wortspiel war genial *kicher*)

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