Die letzten Tage…

…ich glaube, es wird mal Zeit für eine kleine Zusammenfassung der letzten Tage.

Ich bin jetzt offiziell einer von 15 Ersthelfern bei uns auf Arbeit. Wir haben letzte Woche über zwei Nachmittage einen Crashkurs in Sachen erste Hilfe erhalten. Vor allem ging es um die Wiederbelebung, den Umgang mit einem Defibrillator und eben so grundlegende Sachen. War sehr interessant und aufschlussreich. Ist ja schon ne Weile her, dass ich das letzte Mal so einen Kurs gemacht hab.

Naja. Und Montag fing Barney wieder an Theater zu machen. Ohne ersichtlichen Grund. Er wollte sich nicht wirklich beruhigen und hat mir auch Dienstag immer wieder Probleme gemacht, die sich Dienstag Nacht manifestierten und mich nicht schlafen ließen, so dass ich Mittwoch erneut beim Doc war. Wollte einfach schauen lassen, was da so los ist und siehe da. Barney hat mir seine Frau Betty vorgestellt.

Sehr nett. *Ironie aus* Sie muss schon die ganze Zeit da gewesen sein, denn sie war genauso groß wie Barney, aber ganz der Mann und Gentleman, stand äh lag oder schwamm…egal, er war jedenfalls vor ihr. 😂 Ob sie nun ne Krise deswegen hatten weil die ganze Aufmerksamkeit immer nur ihm galt? Keine Ahnung. Jedenfalls ließen sie mir keine Wahl. CheckIn am späten Nachmittag im Krankenhaus. Nach den ganzen Untersuchungen kam ich irgendwann aufs Zimmer, dichtgeschossen mit Schmerzmitteln, deren Wirkung auf mich nicht nur auf Station für Heiterkeit sorgten. 😉 Da meine OP erst Donnerstag im Laufe des Vormittags angesetzt war, bekam ich um kurz nach halb zehn meine Henkersmahlzeit. Nachdem ich den ganzen Tag auf Grund der Schmerzen und Übelkeit nichts gegessen hatte, nun aber schmerzfrei und hungrig war, freute ich mich und erlebte eine herbe Schlappe. 5 Zwieback. Hmpf. Nachordern ging nicht, denn ab 22:00 Uhr galt mein Nahrungsmittelaufnahmeverbot.

Meine Bettnachbarin, eine sehr nette ältere Dame, kam irgendwann in Redelaune und so haben wir bis in die frühen Morgenstunden über Gott und die Welt erzählt. Eigentlich war es mehr ihre Lebensgeschichte, aber die war auch interessant. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit, welche am Donnerstag allerdings entlassen wurde. Es tat ihr auch sehr leid, dass ihr Brötchen zum Frühstück so knackig war, während mein Magen jeden einzelnen ihrer Bisse lautstark kommentierte und mir nebenbei schmerzhaft seinen Unmut kundtat. Betty und Barney zwickten auch wieder rum. Ich stellte fest – nicht nur Betty und Barney sind doof, Hunger ist auch ein Arschloch und beide zusammen sind definitiv ein übles Gespann. Der niedliche Doc lenkte mich allerdings kurzzeitig ab, während er die Bettnachbarin entließ.

Um kurz vor zwölf wurde ich abgeholt…und bekam, etwas spät, die obligatorische LmaA-Pille, die aber so schnell nicht wirkte. Ich war allerdings auch nicht aufgeregt. Die Anästhesisten und ich plauderten auch ziemlich amüsiert, während man mich auf dem Tisch anschallte, mit dem EKG verkabelte, die Sauerstoffmessung anschloss und schon mal alles mögliche an Flüssigkeiten (ok, ich war neugierig. Es war Ringer-Laktat, nen Antibiotikum und noch irgendwas) durch meinen Zugang gepumpt wurde. Und dann kam die Maske mit Sauerstoff, irgendwer spritze mir was und…

Ja, irgendwann wurde ich in meinem Bett wieder wach. Wollte auch direkt aufstehen und türmen, denn ich hatte fürchterliche Schmerzen und mir war schlecht. Es kam schnell Bewegung in die Anwesenden, als man meine Bemühungen auszubrechen mitbekam. Man gab mir Morphium – ich kotzte…man gab mir mehr Morphium und ich kotze munter weiter, bis das Mittel gegen die Übelkeit wirkte, auch die Schmerzen verblassten und ich irgendwann noch mitbekam, dass man mir mitteilte, dass man mich aufs Zimmer bringen würde.

Ich hab keine Ahnung, wann ich tatsächlich auf meinem Zimmer ankam und wie oft ich wach war um sofort wieder wegzudämmern. Gegen Abend, so ich glaube halb sieben rum, nahm ich zumindest bewusster wahr, dass ich da lag, es dunkel und Bewegung eher unmöglich war. Zwei Besucher kamen noch vorbei, glaube wir haben auch gequatscht, aber ein Zeitgefühl fehlt mir. Abends habe ich um Essen gebettelt, denn der Hunger tat nun richtig weh…und ich bekam 5 Zwieback.

Das und meine Untermieter habe ich zumindest bewusst zur Kenntnis genommen.

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Betty und Barney Geröllheimer. Sie sehen echt schön aus…so rund.

Freitag. Frühstück. 3 Zwieback…wtf??? Der schnuckelige Arzt vom Vortag musste über meinen entsetzten Gesichtsausdruck echt lachen und erklärte mir, dass wir langsam anfangen würden mit Nahrung…schon klar, aber 3??? Ich hatte eine bescheidene Nacht, da liegen und drehen in jeder Position unangenehm schmerzhaft war, bin tapfer immer mal wieder aufgestanden und rumgeflitzt*. (Ich habe mir sagen lassen, dass das hilft, das CO2, mit welchem aus mir ja unter der OP ein Marshmallow gemacht wurde, zu binden und loszuwerden), hatte zwei Tage in Folge lediglich 5 Zwieback als Tagesmahlzeit und muss mich dann auch noch mit viel weniger zum Frühstück abfinden? 😳 Man stellte mir Suppe und Kartoffelbrei fürs Mittagessen in Aussicht und ich orderte eine Packung Zwieback bei einer Freundin, die sich für den Nachmittag angekündigt hatte. Zwischen meinen Rundgängen versuchte ich immer wieder eine geeignete Liegeposition zu finden. Ich bekam auch ne neue alte Dame aufs Zimmer, die aber auch direkt operiert wurde und pünktlich mit dem Mittagessen wieder zurück aufs Zimmer kam. Ich fing mit dem Pudding an. Probierte die Suppe und bleib beim Pudding…und bekam Bauchschmerzen. Doof. Schmerzmittel bekommen und nachdem die wirkten, erst mal ein bisschen geschlafen. Mein Zwieback kam an und ich bin mit meinem Besuch ein bisschen rumgelaufen. Lange sitzen ging und geht noch nicht.

Die letzte Nacht war deutlich besser. Ich fühlte mich super als ich heute morgen aufwachte. Kurze Zeit später kam die Schwester ins Zimmer und brachte ein Geschenk mit…für mich 😳

Ich war total überrascht. Auf dem Geschenkpapier klebte ein Zettel mit meinem Namen (der Nachname war nicht ganz korrekt), meinem Spitznamen, Station und Zimmer und natürlich der Absender…Die Schwester musste mitgrinsen, während ich so vor mich hinstrahlte und vorsichtig die Verpackung öffnete.

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Dieses kleine Fellknäuel schaute mich an und eroberte natürlich mein Herz im Sturm. Ein kleines Kätzchen laut Zettel am Ohr aber ich würde auf Grund der Fellzeichnung auch einen kleinen Löwen nicht ausschließen…Da ich mir nicht ganz sicher bin, werde ich das zuckersüße Tierchen mal von meinen Bären fernhalten…aus Gründen. 😁😁😁 Ich werd jedenfalls gut darauf aufpassen. Der kleine Herzensbrecher hats gut bei mir.

Auf sehr vielen verschiedenen Wegen erreichten mich aufmunternde und liebe Worte. (Und einige davon vertont…mit einer Stimme, die echt Hammer ist…und mich total berührt hat). Sowohl von Menschen aus meinem direkten Umfeld aber auch von Menschen, die ich weitestgehend nicht persönlich kenne und die dennoch Anteil an meinem Leben nehmen. Ich bin allen sehr dankbar, einfach dafür, dass sie da sind 😘

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5 Gedanken zu “Die letzten Tage…”

  1. Wat’n Roman… 😄

    Soso, du hast also fremdgeflirtet, süße Stofftierchen bekommen und Nachrichten von Typen mit scharfen Stimmen bekommen?
    Dich kann man auch keine Sekunde aus den Augen lassen! 😏😋

    Mrs. LionKitty guckt aber auch süß. ☺️

    1. Ja, das tut sie in der Tat. Sie wird auch zu Hause sehr eifersüchtig von zwei anderen artverwandten Damen beäugt, die nicht auf meinen Bauch dürfen oder auch in meiner Halsbeuge nur begrenzt geduldet werden… 😊

      So, flirten. Den Doc hat es nicht mal interessiert, dass ständig (unabsichtlich) mein OP-Hemd von der Schulter rutschte. Am ersten Tag hat er mich völlig ignoriert. Naja, und der zweite Tag steht ja da oben 😂 Keine Chance. Ich würde sogar behaupten, dass der jünger war als ich…und kleiner. Das ist schon ein Kunststück 😂 Aber der Arzt gestern…gut, lassen wir das 😂😂😂

      Du hast also Recht, man kann mich nicht alleine lassen. Dann krieg ich Untermieter, muss ins Krankenhaus, werd aufgeschnippelt…Action in meinem Leben 😂

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