Minizickenterror

…ich zieh aus…oder noch besser, dieses Riesenpubertier zieht aus. Ehrlich, Pubertät hin oder her, aber das was hier teilweise abgeht, ist weit entfernt von dem, was ich als pubertäres Verhalten abtun würde. Ich bin jemand, der sich wirklich einiges gefallen lässt und Verständnis für die Belange der jeweils anderen mitbringt – bis zu einem gewissen Punkt. Was ich keinesfalls dulde und toleriere sind zum Beispiel Respektlosigkeiten oder aber das Anmaßen, sich über mich oder meine Art, mein Leben zu führen, ein Urteil zu erlauben.

Wie gut, dass die Minimaus ja der Meinung ist, für sie gelten diese unantastbaren Grenzen ihrer Mutter nicht – und wie gut für mich, dass ich nach wie vor als kleiner und griffiger Wadenbeißer agieren kann, wenn man mir versucht ans Bein zu urinieren. (ja, ich kann mich auch gewählt ausdrücken *lach*) Findet die Minimaus natürlich semilustig und ich sage euch, als ihr bewusst wurde, wie sehr sie die Grenzüberschreitung betreibt, desto breiter grinsend konnte ich das Schauspiel genießen.

Es sind jedoch nicht nur die grenzüberschreitenden Äußerungen an sich, die mein liebes Kind hier gerade von sich gibt. Auch der Ton macht die Musik und ich hasse es ebenfalls, wenn man mir herablassend gegenüber tritt.

Ein paar Beispiele:

Mutti schaut sich Unterwäsche an.
Kind – Tonfall verächtlich: „Na, brauchste das um gut schlafen zu können?“
Mutti: *schnappt nach Luft* „Bitte was???“
Kind – noch verächtlicher: „Na macht Dich das an? Du hast es ja offensichtlich voll nötig!“
Mutti schwoll derweil auf Dinogröße an, blieb jedoch im Tonfall sehr eisig und kühl:
„Weißt Du mein liebes Kind, bevor Du Dir auch noch einen Ton aus der kehle quetschtet, überlegst Du Dir jetzt ganz genau, WAS Du mir hier unterstellst und an den Kopf wirfst.
Punkt 1: Du hast nicht mal im entferntesten Ahnung, von was Du überhaupt sprichst, da Dir jegliche Aktivität in diesem Bereich ein absolutes Fremdwort sind.
Punkt 2: Du kannst so gern mit Deinen Freunden reden, aber nicht mit mir. Ich erwarte von Dir Respekt und Wertschätzung und wenn Du nicht nach meinen Spielregeln spielen möchtest und weiterhin der Meinung bist, dass das Leben hier so grausam ist, dann werden wir sicherlich gemeinsam eine Lösung finden, die uns beide zufrieden stellt!!!
Und nun verschwinde in Dein Zimmer ohne auch noch einmal das Wort an mich zu richten, wenn Du nicht willst, dass ich meine Stimme meiner aktuellen Größe anpasse.“

Ausatemgeräusch.

Ein weiteres Beispiel, welches auch den grenzenlosen Egoismus zeigt, denn dieses Minigör hier an den Tag legt, ist meine Heimkehr aus dem Krankenhaus nach der OP. Ich bin ja Samstags entlassen worden. Unterstützung war weitestgehend Fehlanzeige bzw. musste von mir erbettelt werde. Das Kind war sehr genervt wenn ich einen Wunsch äußerte. (Ich brauchte diese Wünsche aber nicht vor 12 Uhr äußern, denn da hat sie ja schließlich geschlafen) Es war auch egal, dass mir heben und dergleichen untersagt war – Einkaufen? Mutter macht das schon. Helfen? Irgendwas tragen? Gar mitgehen? Neeeee. Sie stand sogar Sonntags sehr dreist vor mir und erinnerte mich daran, dass ihre Wäsche noch im Keller ist (die sie hochholen sollte als ich ins KH ging, aber sie hat sie lediglich in den Trockner geschmissen) Also sprach ich zu ihr: Hol Deine Wäsche selber hoch. Und siehe da…sie fand noch eine Hose im Schrank…nach weiteren drei Tagen war die Wäsche immer noch nicht in der Wohnung und sie bewegt sich dann auch wirklich nicht.

An Willensstärke macht diesem Gör so schnell keiner was vor. Das durfte schließlich auch schon die Kinderkrippe, der Kindergarten und auch eine Grundschule erfahren. Psychologen warfen das Handtuch, das Jugendamt wusste auch nicht weiter, Psychiater rauften sich die Haare und auch sonst hatte ich sehr viel Spaß im Laufe der letzten 15 Jahre. An sich ist ihr Verhalten „besser“ geworden, da sie ja auch älter wird und somit auch weiter denken kann, aber leicht macht sie es sich nicht – und ihrem Umfeld natürlich auch nicht.

Derlei Diskussionen, gerade um die Art und Weise wie sie mir gegenüber tritt, führen wir täglich. Sie testet gerade sehr stark Grenzen aus und nimmt auch sehr wenig bis gar keine Rücksicht auf meine Bedürfnisse oder Gefühle. Aber Mutti wäre ja nicht Mutti, wenn sie nicht noch das eine oder andere Ass im Ärmel hätte.

Kind muss sich nun zum Beispiel ab nächster Woche kontrolliert selbst versorgen, da sie sich generell weigert, beim Einkaufen zu helfen. Gut, dann soll sie ihren Kram alleine kaufen.
Mutti möchte auch nicht mehr die Wäsche vom Kind waschen.

Das Praktikum, welches sie zur Zeit absolviert, führt sie schon an ihre Grenzen denn sie merkt, dass das Leben wahrlich nicht der Ponyhof ist, denn sie krampfhaft versucht vor ihrem geistigen Auge aufrecht zu erhalten..ich führe sie nun kontrolliert über ihre Grenzen hinaus, denn ich habe auch ein eigenes Leben und sie ist alt genug 8und tut ja auch so), dass sie durchaus lernen kann wie es ist, für sich und seine Belange verantwortlich zu sein. Stück für Stück werden nun die Daumenschrauben angezogen…

Und wisst ihr was? Es fühlt sich gut an. Ein solches Verhalten hab ich ihr nämlich weder beigebracht noch vorgelebt. Ein schlechtes Gewissen habe ich auch nicht, das hat sie sich selbst zuzuschreiben.

Ich lebe derweil mein Leben und gebe Stück für Stück Verantwortung an das Kind ab. Sie geht nun durch die Schule des Lebens und die ist alles andere als leicht. Ich werde hier nicht erläutern welche erzieherischen Maßnahmen alle versucht wurden und auch nicht weiter auf einzelne Details eingehen – nur soviel sei gesagt – ich habe nicht wirklich etwas unversucht gelassen, meinem Kind auf dem Weg ins Leben zu helfen und ihr zur Seite zu stehen bei dem Weg, den sie für sich gewählt hat. Sie hat sich für die harte Tour entschieden. Gut, dann ist das so. Nichts desto trotz – und ich glaube, dass ist das Wichtigste was ich ihr überhaupt vermitteln konnte – weiß sie, dass egal was sie tut, ich immer ein Anker für sie bin und sie vorbehaltlos liebe, auch wenn wir uns mal wieder anzicken. Sie kann sich immer auf mich verlassen wenn es brenzlig wird und ich würde mich immer wie eine Löwin vor sie werfen, wenn es erforderlich ist.

Advertisements

8 Gedanken zu “Minizickenterror”

  1. Auch wenn ich relativ dicht an der Situation dran bin, finde ich das du bislang alles richtig machst!
    In meinen Augen bist du die beste Mutter die sich ein Kind wünschen kann.
    Die Minimaus wird es irgendwann auch einsehen!
    Mach weiter so und bleibe wie du bist, mehr kann man von einer Mutter nicht erwarten…

  2. Würde es jemandem auffallen, wenn du das Kind für die nächsten 2 bis 12 Jahre im Wald an einem Baum anbindest, oder im Keller einsperrst?
    Gegen dieses chemische Ungleichgewicht in ihrem Hirn kannst du im Moment eh nichts machen, das wächst sich von alleine aus.
    Es gibt halt Menschen, die lernen erst, wenn sie mit Anlauf vor die Wand geklatscht sind – immer wieder. 😀

    1. Ich glaube nicht, dass es auffallen würde…sie meidet ja soziale Kontakte…
      Ich sollte allerdings auswandern, damit man meinen Genpool nicht zu Mutterschaftstestzwecken heranziehen kann, wenn man sie finden sollte…
      Ich könnte sie allerdings auch zu Donald schicken…mal gucken wer von beiden anschließend heulend in der Ecke sitzt…

      Ich kann mich mittlerweile echt gut abgrenzen. Das WE steht vor der Tür, ich hab mir wieder ne Auszeit genommen, Wellness für die Seele und alles ist gut. Es geht mir nach wie vor gut, auch wenn die so rumpubertiert. 😁

      1. Na dann ab in den Keller mit ihr.
        Du hast nur EIN Leben. Und es ist definitiv zu kurz, um sich das von einer verstörten kleinen Nervensägen unnötig erschweren zu lassen.
        Und nur weil sie deine Tochter ist, musst du dir nicht jede Unverschämtheit gefallen lassen.

        Ich bin froh, dass sich „meiner“ solche Geschichten nicht erlaubt hat – ich wäre da knallhart.

        Lass‘ es dir am Wochenende ganz egoistisch gut gehen. Ihr solltet ein Team sein und wenn sie das nicht will, hat sie Pech gehabt.

        1. Seh ich genauso…scheinbar plagte sie auch ein schlechtes Gewissen…man brachte mir eine weiße Rose mit…als Entschuldigung für das Fehlverhalten.

          Entschuldigen kann sie sich schon mal…wow, ich hab ihr tatsächlich doch was beigebracht…

          Wenn du mich suchst…ich schwebe irgendwo weit oben…wer weiß wann ich das wieder erlebe 😊

          1. Gewöhn dich nicht dran.
            Das ist eine gut ausgeklügelte Taktik, die diese kleinen Terroristen anwenden. Keine Ahnung, woher die das haben. Ich vermute, es gibt ein geheimes Buch im Internet, das verschwörungsartig vor den Augen der Erwachsenen verborgen wird und in dem genau solche Guerilla-Taktiken beschrieben werden.

            Das Buch heißt vermutlich „Die Kunst deine Eltern zu brechen – ein Ratgeber in drei Ausgaben“

            Da können wir Erwachsene nur mit knallharter Konsequenz parieren. EINE Schwalbe macht noch lange keinen Frühling!! :mrgreen:

            1. Ich habe das Buch nie benutzt…glaube, dass gab es noch nicht. Hast Du es etwa nutzen dürfen? Ich nutze allerdings die Elternratgeber – „Wie tyrannisiere ich mein Kind mit möglichst viel Freunde?“ Sowie „Rache und andere Gemeinheiten für Pubertiere“.

              Natürlich weiß ich, dass diese Taktik nicht dauerhaften Erfolg verspricht, aber dann wäre Erziehung ja auch ratz fatz erledigt. 🤔

              1. Nein, als ich in Minizickens Alter war, gab es ja noch kein Internet. Und gedruckte Bücher gab es hier in der Eifel kaum. Und wenn doch, wurden sie gleich als Teufelszeug verbrannt.

                Ich habe als Kind zwar auch rebelliert, aber nicht gegen meine Eltern.
                Hatte ich ja auch keinen Grund zu. Sie gaben mir Obdach, Kleidung und Essen. Und zum Abendbrot durfte ich sogar die Biene Maja schauen.
                Mir ging es ja gut und ich wusste das.

                Zu meiner Zeit hatten Kinder ja auch noch diese „Freunde“ (haben die Kids sowas heute eigentlich noch?) und wenn wir jemanden tyrannisieren wollten, haben wir Kinder uns gegenseitig tyrannisiert. Auf lange Sicht eine wesentlich klügere Sache, als seine hormonell bedingte Behinderung an den Eltern auszulassen.
                Aber wir Kinder waren früher generell klüger, oder? WIR konnten ja auch noch Baumhäuser bauen. Frag‘ die Kids von heute mal…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s