Freude und Leid…

…liegen ja bekanntlich nah beieinander. Durfte ich erst gestern feststellen, als ich und mein Date unseren sportlichen Aktivitäten frönten und skaten gingen. Auf unserem Weg um den hier vorhandenen See stolperten wir über ein Blesshuhn, welches nah am Weg saß, sich nicht wirklich rührte und irgendwie verletzt wirkte.

Ich näherte mich vorsichtig und auch dann machte das Tier keine Anstalten zu flüchten. Ich kann bei so etwas nicht wegsehen. Also hab ich kurzerhand melne Jacke ausgezogen, das Tier vorsichtig geschnappt und hab mein Date gebeten, mich zum nächsten Tierarzt zu bringen.

Während ich im Auto saß rief ich direkt bei meinem Haustierarzt an – und bekam eine Absage. Alle Ärzte seien in Not-Operationen. Man sei unabkömmlich. Ich möge bitte bei einem anderen Tierarzt anrufen. Eigentlich müsste auch der Tierpark reagieren, aber da die Vogelgrippe ja aktuell ein Thema sei, würde man mich dort vermutlich abweisen. Versuchen könne ich es aber…

Wir fuhren weiter während ich bei Tierarzt Nummer 2 mein Glück versuchte.
Auch dort wies man mich ab. Die Tierärztin sei auf dem Weg nach Osnabrück zu einem Lehrgang. Verweis zu einem anderen Tierarzt oder dem Tierpark.

Da wir in der Nähe des Tierparks waren, sind wir als Erstes dort hin. Geschlossen. Ein paar Kinder machten uns aber auf eine geöffnete Seitentür aufmerksam. Wir fanden die Mitarbeiter in einem Haus und stellten uns gut sichtbar mit dem Tier vor das Fenster. Es kam auch jemand.

Man war nicht begeistert über unser Erscheinen. Ich hätte mich mehrfach strafbar gemacht. 1. Ich hätte das Bleßhuhn dort nicht wegnehmen dürfen.
Wildtiere haben keine Lobby und niemand ist verpflichtet sich darum zu kümmern. Das ist eben die Natur.
2. Da die Vogelgrippe grassiert und alle Tiere ja geschützt und eingesperrt sein müssen, hätte ich mich mit dem Betreten des Zoos strafbar gemacht, da dieses Tier ja möglicherweise den Erreger hätte.

Man könne mich aber verstehen. Tierarzt. Das Tier sähe sehr schwach aus. Bei einem gebrochenen Flügel oder Bein würde man vermutlich einschläfern, aber das Tier wäre von seinem Leid erlöst. Zahlen müsste ich das aber wohl selber. Zurückbringen wäre die Alternative. Ich könnte noch versuchen dem Tier etwas Flüssigkeit einzuflößen.

Mittlerweile schon sehr entmutigt und vor allem tief enttäuscht und traurig ging es zurück zum Auto. Anruf bei Tierarzt Nummer 3. Praxis nicht besetzt, aber die Notfallrufnummer tat ja.
Man sei schon 15 Minuten aus der Praxis weg hieß es, bräuchte aber mindestens 45 Minuten zurück. Wäre ja nicht schön für das Tier zu warten. Und man hätte auch einen sehr wichtigen Termin. Ich solle, so hart es klingt, das Tier zurückbringen. Auch hier kam der Hinweis, dass man mich verstehen könne, aber ich das Tier nicht hätte dort wegnehmen dürfen.

Wtf? Da saß ich nun mit dem Huhn auf dem Schoß, während seine Mitbewohner auf mir krabbelten, es mich ansah und völlig ruhig da saß so nach dem Motto: ich spüre dass Du mir helfen willst.
Mitnehmen fiel aus, denn das Risiko etwas ins Haus zu schleppen und meine Katzen zu gefährden war zu groß. Mittlerweile kullerten die Tränen. Ich hatte keine Wahl 😢
Wir fuhren zurück. Ich suchte einen schönen Platz, während ich fast zusammen brach, weil mir die Hände gebunden waren und ich nicht helfen konnte.
Es kamen zahlreiche Vorschläge via Twitter, aber nichts davon war hier tatsächlich realisierbar.

Sehr schweren Herzens ließ ich das Tier dort am See zurück. Die Welt ist grausam. Der Mensch zerstört Lebensraum, verdreckt den Lebensraum der Tiere, aber helfen darf man nicht? Diese Logik versteh ich nicht.

Ich hoffe und wünsche mir, dass das Huhn die Nacht überlebt hat. Morgen früh muss ich leider arbeiten, aber nach Feierabend fahr ich wieder dort hin und wenn „Spike“ noch lebt, dann poche ich auf Hilfe. 😔😔😔

Ich wäre auch gern gestern Abend nochmal losgefahren, aber unsere Kleidung musste „entparasietiert“ werden und mein Date hatte keine weiteren Klamotten mit dabei. Außerdem habe ich mir noch meinen kleinen Zeh an der Badewanne blutig getreten, als ich mich dort gestoßen habe. Laufen ist grad schwierig. Humpeln und hinken trifft es eher. Zudem wurde es natürlich dunkel und die Beleuchtung am See ist eher mau. Ich hoffe und wünsche sehr, dass es Spike gut geht…egal wo er sich befindet.

Update:

Spike hat es nicht geschafft. Ich kam zu spät. 😢

Ich habe ihn wenigstens bedeckt…Ich denke er ist verhungert. Wissen kann ich es natürlich nicht, aber es wäre wohl so nicht nötig gewesen. Sehr traurig.

Nachdem ich wieder zu Hause war, rief ich meine Mutter an. Ich wollte ein bisschen Trost. Sie klang seltsam – und kurze Zeit später erfuhr ich auch warum. Meine Oma ist heute verstorben. Ob Spike sinnbildlich für meine Oma stand? Ein seltsamer Zufall…😢 Mögen beide nun ihren Frieden finden…R.I.P.

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7 Gedanken zu “Freude und Leid…”

    1. Ich hab so geheult. Wenigstens ein würdiges Ende wäre doch das Mindeste, wenn keine Chance auf Heilung bestanden hätte. Nein, nicht mal das 😔 Verhungern oder Verdursten…ein qualvolles Ende, falls sich Spike nicht berappelt hat. Ich fahre nachher hin. Besonders traurig ist aber auch, dass alle wegsehen 😢

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